Wir Menschen bevorzugen temperaturmäßig die sogenannte thermoneutrale Zone, und das sind Temperaturen zwischen 20 und 23° Celsius. Wim Hof hält dies allerdings für bedauerlich. Im Winter könnten wir die Kälte tatsächlich nutzen, anstatt uns ständig vor ihr zu schützen. Kälte hat nämlich positiven Einfluss auf unseren Kreislauf, auf das Herz, auf das Bindegewebe und die Haut, auf den Energieverbrauch, auf die Stimmung und auf unser Immunsystem.

Wenn man sich der Kälte aussetzt (zum Beispiel in einen kalten See steigt), ziehen sich die Blutgefäße zuerst einmal kräftig zusammen. Das spürt man deutlich und es ist fast ein bisschen schmerzhaft. Anschließend erweitern sie sich aber wieder und dies ist echtes „Krafttraining“ für unsere Adern. 😊

Die Forschungsarbeiten von Hopman et al. (2010) zeigen, dass Wims Stoffwechselrate um 300 % zunimmt, wenn er Eis ausgesetzt ist. Dadurch erhöht sich seine Wärmeproduktion und die kann er dreimal höher schalten als normale Menschen. Wenn unser Körper Wärme produzieren muss, ist das ein energieintensiver Vorgang. Das bedeutet, wir verbrauchen dadurch ordentlich Kalorien, was für alle, die abnehmen wollen, sehr günstig ist. Energetisch ersetzt es quasi einen Lauf 😊 also, für alle, die es mit Sport nicht so haben: Kälte verbraucht wirklich viel Energie!!

Zudem produzieren wir, wenn wir uns regelmäßig der Kälte aussetzen, braunes Fettgewebe.

Babys haben noch sehr viel braunes Fettgewebe, welches kälteisolierend bzw. sehr wärmend ist. Im Laufe unseres „thermoneutralen“ Lebens bauen wir dieses Fettgewebe ab und bei Erwachsenen ist es so gut wie nicht mehr vorhanden. Die Produktion von braunen Fett kann aber durch Kälte sehr gut aktiviert werden. Es gilt: je niedriger die Temperatur, desto mehr braunes Fett wird aktiviert, um den Körper auf Temperatur zu halten.

Braunes Fett ist gesundes Körperfett: es besteht aus kleinen Fettzellen, ist antiinflammatorisch und ein guter Speicherort für Vitamin D und sorgt, wenn überhaupt, für eine langsame Gewichtszunahme. Braunes Fett kann im Gegensatz zu seinem Kollegen, dem weißen Fett (das was wir an den Hüften, Oberschenkeln, Gesäß und Bauch einlagern), Energie in Form von Wärme freisetzen. Es „verbrennt“ Glukose und Fett und erhöht damit die basale metabolische Rate.

Kältetraining führt außerdem noch zu einem Anstieg der weißen Blutkörperchen. Sie verteidigen den Körper gegen Infektionen durch Fremdkörper und Eindringlinge wie Bakterien, Viren, Parasiten, Pilze und Hefen.  Regelmäßiges Kältetraining aktiviert demnach das Immunsystem.

Also – genug Gründe, um sich mit der Kälte anzufreunden, oder???

CAVE: lateinisch und heißt hüte dich 😊

Es gibt allerdings ein paar Sicherheitsmaßnahmen:

Bitte setzt euch nicht gleich untrainiert zu lange extremer Kälte aus. Das Absinken der Körperkerntemperatur auf unter 35 ° Celsius ist nicht wünschenswert. Man kann sich auch eher langsam an das kalte Wasser gewöhnen und zum Beispiel beim Duschen die Temperatur allmählich hinunterregeln.

Zum Ablauf: kaltes Duschen

Zuerst warm duschen, so wie man es gewöhnt ist. Dann beginnt ihr noch während der Warmwasserdusche mit Atemübungen. Atmet langsam und tief ein und schön langsam wieder aus. Das macht ihr ungefähr eine Minute lang mit einer Atemfrequenz von 6 – 8 Atemzügen pro Minute. Dann stellt ihr die Dusche 1 Minute lang auf kalt und genießt das Prickeln!

Eisbäder für die Hände:

Füllt eine Schüssel oder einen Eimer mit kaltem Wasser und gebt Eiswürfel (jetzt passt auch Schnee) dazu. Dann taucht ihr die Hände in das kalte Wasser. Anfangs wird es schmerzhaft kribbeln, weil sich die Blutgefäße zusammenziehen. Der Schmerz lässt aber rasch nach, und wenn ihr spürt, dass eure Hände wieder warm werden, könnt ihr aufhören. Falls die Hände nicht warm werden, hört bitte nach 2 Minuten einfach auf.

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